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wer wir sind: das selbstverständnis

Was ist ein Selbstverständnis?

Das Selbstverständnis beschreibt, wie eine Organisation sich selbst sieht, welche Werte sie vertritt und was ihr Handeln bestimmt.

Es beantwortet die Fragen:

  • Wer sind wir?

  • Wofür stehen wir?

  • Wie arbeiten wir?


Es umfasst damit grundlegende Überzeugungen, Prinzipien und Haltungen, die das tägliche Tun prägen. Oft existiert es auch nur ungeschrieben und zeigt sich in der gelebten Praxis, der Zusammenarbeit und den Entscheidungsprozessen.

 

Ein klares Selbstverständnis gibt Orientierung nach innen (für Mitglieder, Mitarbeitende und Freiwillige) und Strahlkraft nach außen (für Partner*innen, Fördernde und die Gesellschaft). Organisationen mit einem starken Selbstverständnis können authentisch auftreten, ihre Wirkung gezielt verstärken und langfristige Stabilität sichern.

 

Bedeutung für Veränderungs- und Strategieprozesse

  • Ein klares Selbstverständnis hilft, Veränderungen gezielt und wertebasiert zu gestalten.

 

  • Es dient als Orientierungspunkt und schützt davor, sich von kurzfristigen Trends leiten zu lassen.

 

  • Ohne ein gefestigtes Selbstverständnis können Unsicherheiten entstehen, die Identität einer Organisation kann geschwächt werden.


Praxisbeispiel: SOS-Kinderdorf Bremen

Der SOS-Kinderdorf Bremen ist eine Organisation, die sich für das Wohl von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in schwierigen Lebenslagen einsetzt. Das Leitbild des Vereins dient als Orientierungsrahmen und bildet die Grundlage für die strategische Ausrichtung.​

Zentrale Werte und Prinzipien des Leitbilds:

 

  • Geborgenheit bieten und Zukunftschancen öffnen: Kinder und Jugendliche sollen sich angenommen fühlen und in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten Persönlichkeiten unterstützt werden.​

 

  • Einmaligkeit achten und Vielfalt leben: Die Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen werden respektiert, Verschiedenheit wird als Bereicherung gesehen.​

 

  • Partei ergreifen für junge Menschen und Engagement fördern: Aktives Eintreten für gesellschaftliche und politische Veränderungen zugunsten von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.​

 

  • Qualität schaffen und nachhaltig wirtschaften: Verantwortungsvoller und transparenter Einsatz von Ressourcen zur Sicherstellung hochwertiger Ergebnisse.​

 

  • Kultur des Miteinanders pflegen und mit Fachkompetenz wirken: Förderung einer respektvollen Zusammenarbeit und kontinuierliche Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenz.

 

Hier das gesamte Leitbild des SOS Kinderdorf als Download.

 

Exkurs: Leitbild oder Selbstverständnis?

Der Unterschied zwischen einem Leitbild und einem Selbstverständnis liegt vor allem in ihrer Funktion und ihrem Fokus:

 

Leitbild: Orientierung und Zielsetzung

 

  • Ein Leitbild ist eine strategische Orientierung für eine Organisation, eine Initiative oder ein Projekt.

 

  • Es beschreibt die langfristigen Ziele, Werte und Prinzipien, an denen sich das Handeln ausrichtet.

 

  • Es dient als Richtlinie für Entscheidungen und Entwicklungen.

 

  • Ein Leitbild wird oft in einem partizipativen Prozess entwickelt und schriftlich fixiert.

 

Beispiel: „Unsere Organisation setzt sich für eine solidarische Gesellschaft ein, in der alle Menschen unabhängig von Herkunft oder Status gleiche Chancen auf Teilhabe haben.“

 

Selbstverständnis: Identität und Haltung

 

  • Ein Selbstverständnis beschreibt die innere Haltung einer Gruppe oder Organisation zu ihrer Arbeit.

 

  • Es macht deutlich, wer wir sind, wie wir arbeiten und warum wir das tun.

 

  • Es ist stärker auf die kulturelle Identität und das gemeinsame Verständnis ausgerichtet als auf strategische Ziele.

 

  • Es ist oft offener formuliert und kann sich mit der Zeit organisch entwickeln.

 

Beispiel: „Wir verstehen uns als eine offene Plattform für bürgerschaftliches Engagement. Unser Handeln ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Vielfalt und einem kooperativen Miteinander.“

 

Zusammenfassung:

  • Das Leitbild gibt eine Richtung vor – es ist der Kompass für die Zukunft.

 

  • Das Selbstverständnis beschreibt die gegenwärtige Haltung – es macht klar, worauf das Handeln basiert.

 

In der Praxis gibt es oft Überschneidungen, aber beide Konzepte helfen dabei, Klarheit über die Identität und Ausrichtung einer Organisation oder Initiative zu schaffen.